Programm März/April 2008
 Mo
 3.3.2008
 19.30 Uhr

Buchvorstellung:
„Schwule Nazis und der Rechtsruck in
Gesellschaft und schwuler Szene“

mit: Markus Bernhardt
Die deutsche Schwulenbewegung ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Von Ehe bis Bundeswehr herrscht bei vielen Homosexuellen heute Normalität. Markus Bernhardt fasst in seinem Buch die Ereignisse der vergangenen Jahre zusammen und zeigt, wie sich aus einer ehemals progressiven schwulen Bewegung, die sich allgemeinpolitisch links verortete, eine von professionellen Gruppen dominierte Verbandsszene entwickelte, in der rassistische Positionen genau so en vogue sind wie in der Mehrheitsgesellschaft. Dem Buch, das neben längeren Artikeln auch Interviews mit verschiedenen Vertretern einer fortschrittlichen Schwulenbewegung enthält, geht es vor allem darum, über den politischen Status quo innerhalb der schwulen Szene aufzuklären. Der Autor argumentiert für eine schwule linke Politik, die sich offensiv gegen Kapitalismus, Krieg und Rassismus wendet und gegen den verbreiteten Irrtum, bei der homosexuellen Szene handle es sich in irgendeiner Art um eine Solidargemeinschaft
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit dem Verein zur Förderung antifaschistischer Kultur e.V. durch.
Markus Bernhardt (Jahrgang 1977) ist freier Journalist, Mitglied
der VVN-BdA und lebt in Dresden.
Veranstaltungsort:
Göttingen, Café Kabale, Geismarlandstraße 19

 Mi
 5.3.2008
 
19.00 Uhr

Die Landtagswahlen in Niedersachsen:
Ist der Linksruck nachhaltig?
Referenten: Daniel Gardemin, Harald Pätzolt, Rolf Köhne

Die Referenten Daniel Gardemin und Harald Pätzolt werden die Wahlergebnisse der Landtagswahlen in Niedersachsen aus ihrer je eigenen Warte beleuchten: Daniel Gardemin wird sich den Wahlen auf mikrosoziologischer und milieutheoretischer Ebene nähern. Er wird erläutern, welche sozialstrukturellen Faktoren die Wahlen wie beeinflusst haben. Harald Pätzolt nimmt politische Kontextualisierung und historische Einordnung der Wahl vor und erörtert Perspektiven für die Bundes- und Landespolitik. Was bedeutet insbesondere der Einzug der LINKEN in die Landtage in Niedersachsen und Hessen? Der Stand der Parteientwicklung, aber auch die Frage, ob und wie der mögliche Erfolg von der Partei in politische Konzepte umgesetzt werden kann, soll ebenfalls Thema der Diskussion sein.
Dr. Daniel Gardemin ist Soziologe und arbeitet am Sozialforschungszentrum agis e.V. an der Universität Hannover.
Rolf Köhne ist ehemaliger MdB und lebt in Hannover.
Dr. Harald Pätzolt ist Mitarbeiter im Bereich Strategie & Politik
der Bundesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE in Berlin.

Veranstaltungsort:
Hannover, Freizeitheim Linden, Windheimstraße 4

 Di
 18.3.2008
 
19.00 Uhr
Kapital- und Geschlechterverhältnis:
Vom bürgerlichen Versprechen auf Gleichheit der Geschlechter und seinen Abgründen
Referentin: Andrea Trumann

Die Linke und die bürgerliche Frauenbewegung hatten immer eins gemeinsam. Die Lösung der Frauenfrage sollte durch eine Angleichung der Frauen an die Männer stattfinden, heißt sie sollen gleichsam wie diese durch die Lohnarbeit ausgebeutet werden. Für die Bürgerlichen ist dies das Endziel, für die Linke die Voraussetzung für eine revolutionäre Bewegung. Ist das Bedürfnis nach Gleichheit sicher ein Fortschritt gegenüber Vorstellungen einer naturgegebenen Differenz der Geschlechter, so kann doch auch der Gleichheitsfeminismus umschlagen in den Hass auf die Frauen. Dies soll herausgearbeitet werden an dem Frauen- und Schwulenhasser und Antisemiten Otto Weiniger. Hieran kann gezeigt werden, wie die notwendige Disziplinierung als Lohnarbeiter und Staatsbürger, genuin männliche Positionen, zum Hass auf das Weiblich-sinnliche führen, und zwar auch, wenn Frauen die ehemals nur für Männer möglichen Positionen schon längst übernommen haben. Mit Hilfe der marxistischen Kritik an der Gleichheit soll gezeigt werden, wie die Gleichheit notwendig zur Ungleichheit führt und wie dies mit der politischen Ökonomie zusammenhängt. Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Club Niederelbe und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Buxtehude durch. Andrea Trumann lohnarbeitet als Sozialpädagogin in einem Mädchenprojekt, bei dem sie oft ohne Erfolg die Mädchen von den Vorteilen der Gleichheit überzeugen möchte. Politisch dagegen versucht sie in Büchern und Veranstaltungen für eine kommunistische Bewegung, die die Aufhebung der Geschlechter jenseits von Kapital und Staat mit einschließt, zu agitieren.
Veranstaltungsort:
Buxtehude, Theater im Hinterhof, Hauptstraße 34


Freitag, 4.4.2008 10.00–16.00 Uhr

Seminar:
Beratung zu ALG-II-Kürzungen und Sanktionen
Referent: Harald Thome

Bei dem geplanten Seminar sollen umfassende Informationen zum Themenkomplex ALG-II-Kürzungen und Sanktionen für diejenigen gegeben werden, die selbst Betroffene beraten wollen.
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit DGB, IG Metall und Ver.Di-Erwerbslosenauschuss durch.
Harald Thome ist seit über 15 Jahren in der Praxisarbeit zur Beratung und Wissensvermittlung auf dem Gebiet des Arbeitslosen- und Sozialhilferechtes sowie angrenzenden Rechtsgebieten tätig und führt u.a. Fortbildungen für Berater zu diesen Themen durch.
Veranstaltungsort:
Göttingen, DGB, Obere Maschstraße 10
Anmeldung bei:
Andreas Gemmecke
E-Mail: andreas_gemmecke@online.de
Tel. (0551) 61 401 / 0151 44 44 619
 Mo
  7.4.2008
  19.00 Uhr

Öffentliche Armut –
privater Reichtum

Referent: Ralf Krämer
Die Steuern sprudeln, aber Bund, Länder und Gemeinden sind noch immer hoch verschuldet. Zehn Milliarden Euro pro Jahr kosten die erneuten Steuergeschenke an Unternehmer, aber für bessere öffentliche Dienstleistungen und bessere Bezahlung der Beschäftigten ist angeblich zu wenig Geld da. Es könnte schon dadurch mehr sein, wenn die Steuern auf Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen konsequent eingetrieben würden. Wie sieht es tatsächlich mit den Staatsfinanzen aus? Was sind unsere Alternativen für eine gerechte Steuerpolitik, für mehr und bessere Dienstleistungen und für ein gutes Leben für uns alle?
Ralf Krämer ist Dipl. Sozialwissenschaftler und seit 2002 Sekretär im Bereich Wirtschaftspolitik beim ver.di-Bundesvorstand in Berlin.
Veranstaltungsort:
Celle, Urbanus Rhegius Haus, Fritzenwiese 9

 Do
  10.4.2008
  20.00 Uhr
Aufbruch zum Sozialismus?
– ein Reisebericht aus Venezuela

Referent: Florian Höllen

Hoffnungen und Hass sind die Reaktionen, die sich mit der bolivarischen Revolution verbinden, sowohl international als auch in Venezuela selbst. Unter dem Motto „Kritische Solidarität und solidarische Kritik“ sendete der Studierendenverband Linke.SDS im Februar/März dieses Jahres eine Delegation nach Venezuela. Das Ziel der Reise ist der Kontakt und Austausch mit jenen Menschen, die dort versuchen, Grundlagen für einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ zu legen. Florian Höllen (Linke.SDS Göttingen) wird als einer der Teilnehmer einen kurzen Überblick mit Fotos über die aktuelle Situation im Land geben und freut sich auf eine spannende Diskussion.
Veranstaltungsort:
Göttingen , DGB, Obere Maschstraße 10


Dienstag, 15.4.2008 18.00–20.00 Uhr

40 Jahre 1968
Herbert Marcuse und die Studentenbewegung
Referent: Peter-Erwin Jansen

Herbert Marcuse galt als der „Guru der Studentenbewegung“. In der Aufbruchstimmung Ende der 1960er Jahre stand er im Rampenlicht der Medien. „Mao, Marx, Marcuse“ lautete eine Headline in diesen Jahren. Es ist geplant, den Vortrag mit Sequenzen aus den Filmen „Marcuses Hippopotamus“ und „Ruhestörung“ sowie mit Ausschnitten zum Angela Davis-Kongress zu ergänzen, um einen plastischen Eindruck von der Diskussionskultur dieser Zeit zu bekommen. Anschließend wollen wir diskutieren.
Peter-Erwin Jansen (Frankfurt/M.) ist Publizist, Dozent für Philosophie und Soziologie sowie Herausgeber ausgewählter Schriften aus dem Nachlass von Herbert Marcuse und Leo Löwenthal.
Veranstaltungsort:
Universität Hannover, Welfengarten 1 (Hauptgebäude), Hörsaal F442
Ein weiterer Apriltermin in der Reihe 40 Jahre 1968 ist am 29.4. am selben Ort zur gleichen Zeit geplant, konnte jedoch bis Redaktionsschluss dieses RLB-Programmflyers noch nicht konkretisiert werden.
Infos über Dr. Marcus Hawel:
mobil: 0151 17 31 54 75 oder hawel@sopos.org
 Do
  17.4.2008
  20.00 Uhr
40 Jahre 1968
Was wollten Rudi Dutschke und die 68er?
Und was bleibt?

Referent: Manfred Lauermann

Glaubt man gewissen Medien, dann ging es den 68ern um Krawall und freie Liebe unter roten Fahnen. Wurde vor vierzig Jahren wirklich deshalb auf Rudi Dutschke, der zentralen Figur des Studentenprotestes, geschossen? Manfred Lauermann, selbst ein 68er und Akteur des Studentenprotests in Hannover, versucht eine Bilanz zu ziehen. Was trieb sie an, wie war der geschichtliche Hintergrund? Wieso diese Gleichzeitigkeit: Westdeutschland, USA, Frankreich, Prag?
Was wollten sie wirklich? Wo holten sie sich ihr geistiges Rüstzeug? Was haben sie erreicht? Was wurde aus ihnen? Können die modernen sozialen Bewegungen von den 68ern lernen, sind sie gar Söhne und Töchter?
Dr. Manfred Lauermann ist Soziologe und lebt in Hannover.
Veranstaltungsort:
Hannover, Kulturzentrum Pavillon, Lister Meile 4
 Do
  24.4.2008
  19.30 Uhr
Reihe: Entfesselter Kapitalismus - ohne Alternative?
Crash 2008 – Von der Immobilien- zur Finanzkrise
Referent: Dierk Hirschel

Die Veranstaltung bildet den Auftakt einer Reihe, in der es zunächst um die Analyse eines globalen, zunehmend entfesselten Kapitalismus geht, der weder sozialstaatlich reguliert ist noch auf die existenziellen Interessen der ArbeitnehmerInnen Rücksicht nimmt. Gefragt werden soll, welche politischen und ökonomischen Alternativen es dazu gibt. Geplant ist im Herbst 2008 eine Fortsetzung der Reihe mit dem Schwerpunkt „solidarische Ökonomie“. Der Referent wird die Hintergründe und potenziellen Auswirkungen der gegenwärtigen Finanzkrise beleuchten und der Frage nachgehen, welche politischen Maßnahmen zur Eindämmung der Risiken der internationalen Finanzmärkte notwendig sind.
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit Attac Hannover und dem DGB Region Niedersachsen-Mitte durch.
Dr. Dierk Hirschel ist Referatsleiter für Makropolitik und Konjunkturanalyse beim DGB-Bundesvorstand und der Chefökonom des Deutschen Gewerkschaftsbundes.
Veranstaltungsort:
Hannover, DGB-Haus, Otto-Brenner-Straße 1

 Do
  24.4.2008
  19.00 Uhr

Marxismus und Politik der Arbeiterbewegung
Referent: Frank Deppe

Frank Deppe zeichnet die spannungsreiche Geschichte der Beziehungen von kritischer Theoriebildung und emanzipatorischer Politik der Arbeiterbewegung in seinem Vortrag nach und fragt nach den Perspektiven der Erneuerung marxistischer Theorie und emanzipatorischer Politik unter den Bedingungen eines globalisierten Kapitalismus.
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit der Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen, DGB Region Südostniedersachsen, Braunschweiger Initiative für eine andere Politik (BIAP), Hochschulinformationsbüro der Gewerkschaften, Braunschweig und dem AStA der TU Braunschweig durch.
Dr. Frank Deppe ist Schüler Wolfgang Abendroths und war bis zu seiner Emeritierung 2006 Inhaber des Lehrstuhls für Politikwissenschaft an der Universität Marburg. Im Anschluss an die Veranstaltung konstitiuiert sich der Arbeitskreis Politik – Gewerkschaften – Ökonomie (Leitung: Dr. Bernd Röttger, Braunschweig), der sich vier Wochen jeweils ca. vier Stunden als Lese- und Diskussionskreis für GewerkschafterInnen, politisch Interessierte, Bewegungs- und Parteilinke treffen wird.
Veranstaltungsort:
Braunschweig, Gewerkschaftshaus, Wilhemstraße 5

 Fr
  25.4.2008
  19.00
Uhr
Milliardäre, die neuen Aristokraten?
Über die Herrschaftsweise des Geldmachtkomplexes
Referent: Hans-Jürgen Krysmanski

Die herrschende Klasse hat viele Gesichter. Da gibt es wirkliche Gauner und sehr honorige Persönlichkeiten, altes und neues Geld, die großen Unternehmerfamilien und schrullige Einzelgänger. Mit dem Kapitalbegriff ist es gelungen, das Gemeinsame dieser Kapitalistenklasse deutlich zu machen. Aber in der Linken wird oft die subjektive Seite vergessen. So haben sich z. B. die Reichen und Superreichen immer wieder in allen möglichen Netzwerken, in Klubs, in Verbänden usw. zusammengetan und dort ihren Einfluss jenseits aller demokratischen Willensbildung organisiert. Darüber wollen wir reden.
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit dem Rosa- Luxemburg-Club Niederelbe durch.
Hans-Jürgen Krysmanski
(geb. 1935) ist emeritierter Professor für Soziologie an der Universität Münster und u.a. Autor zahlreicher TV-Reportagen.
Veranstaltungsort:
Buxtehude, Klosterhof, Hauptstr. 45