Programm Januar/Februar 2006
Sind westliche Demokratien friedensfähig?
Referent: Knut Krusewitz
Seit Ende des Kalten Krieges macht im Westen die Rede vom „demokratischen Frieden“ eine beachtliche wissenschaftliche und mediale Karriere. Danach seien demokratisch verfasste Gesellschaften dauerhaft friedensfähig und die Gewalt in der Welt könne nur von denjenigen ausgehen, die mit Intoleranz, Fundamentalismus und brutalem Machtstreben demokratische Prinzipien verletzten.
Das tatsächliche Bedrohungs-, Sicherheits- und Gewaltverhalten westlicher Demokratien widerspricht allerdings diesem Selbstbild. Es waren nämlich „friedliche Demokratien“, die im kurzen Zeitraum zwischen 1991 und 2003 bereits siebenmal Krieg führten, und zwar ohne Selbstverteidigungsgrund. Der Referent wird dieses Problem anhand folgender Fragen thematisieren: Warum ist der Westen auch nach Ende des Kalten Krieges nicht zur Selbstkritik bereit? Warum sind die führenden Mitgliedstaaten der NATO nicht zur allgemeinen und vollständigen Abrüstung bereit? Wird der Westen auch zukünftig den wirtschaftlichen und politischen Status quo gewaltsam verteidigen?
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit dem Institut für Forschung und Bildung (IFB), den Göttinger Wissenschaftlerinnen für Frieden und Abrüstung sowie der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) durch.
Dr. Knut Krusewitz war bis zu seiner Emeritierung Professor an der TU Berlin im Fachbereich Umwelt und Gesellschaft. Thematische Schwerpunkte seiner umfangreichen Publikationstätigkeit sind u.a.: Umweltkriege, Kriegsursachenforschung und Ökologische Kriegsführung.
Veranstaltungsort: Evangelische Studierenden-gemeinde, Göttingen, Von-Bar-Straße 2–4
 Di
 10.01.2006
 19.30 Uhr

Krise der Gewerkschaften – oder Kapitulation der Gewerkschaftsführung vor der Kapitaloffensive?
Referentin: Renate Münder
Vier Millionen Mitglieder hat der DGB seit 1991 verloren und nicht nur wegen der steigenden Arbeitslosigkeit. Allenthalben wird deswegen von der Krise der Gewerkschaften geredet.
Ist es die Globalisierung, die die Gewerkschaften wehrlos macht oder was sind die objektiven Ursachen für die derzeitige Schwäche der Arbeiterbewegung und wie können wir wieder in die Offensive kommen?
Renate Münder ist ver.di-Mitglied und Betriebsratsvorsitzende.
Veranstaltungsort: Coffeehus, Stade, Am Sande 10

 Di
 17.01.2006
 19.30 Uhr

Nach der Bundestagswahl:
Perspektiven für eine linke Politik
Mit: Cornelia Hildebrandt, Jürgen Noffz u.a.
Der Wind dreht sich – erst in Europa, jetzt auch in Deutschland. Streiks und Demonstrationen, die Kampagnen gegen den EU-Verfassungsentwurf, die Gründung von Sozialforen, das Aufbegehren von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen läuten eine neue Zeit ein. Es bildet sich eine gesellschaftliche Opposition gegen den neoliberalen Zeitgeist: Die Linke. Der Neoliberalismus gerät nach außen und innen in eine Hegemoniekrise, deren Ende offen ist. Nach außen werden Kriege geführt und gleichzeitig den BürgerInnen immer weitere soziale Härten zugemutet. Der Ausgang dieser Krise wird entscheidend davon abhängen, ob es den Linken und den gesellschaftlichen Gegenkräften gelingen wird, selbst hegemoniefähig zu werden. Es ist ein Kampf um politische Kräfteverhältnisse und alternative Reformmehrheiten. Dafür muss sich die Linke geradezu neu erfinden: als breite soziale Bewegung, als kulturelle und intellektuelle Kraft und als Teilhaberin an der parlamentarischen Macht.
Über die Neuformierung der Linken auf europäischer Ebene sowie über die Herausforderungen angesichts der großen Koalition und der kommenden Landtagswahlen wollen wir diskutieren mit
Cornelia Hildebrandt (Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin), Jürgen Noffz (Landesvorstand der WASG Niedersachsen) und anderen Gästen.
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit der Fraktion Die Linkspartei im Rat der Stadt Oldenburg durch.
Veranstaltungsort: Kulturzentrum PFL (Vortragssaal), Oldenburg, Peterstraße

 Di
 17.01.2006
 19.30 Uhr

Die Linke zwischen Opposition und Regierung
Wie wird gut regiert?

Mit: Ralf Krämer, Halina Wawzyniak
Die Regierungsbilanz des rot-roten Senats von Berlin ist umstritten. Mitglieder der Linkspartei.PDS verweisen auf ihre Erfolge in der Regierung, insbesondere die Vermeidung sozialer Härten in der Sparpolitik. Nicht nur Vertreter der WASG kritisieren die Politik des Wowereit-Senats hingegen als neoliberal und fordern den Ausstieg der Linkspartei.PDS aus dem Senat. Wie wird gut regiert und wann ist es besser, den anderen das Regieren zu überlassen? Über die Möglichkeiten linker Politik zwischen Opposition und Regierung wollen wir am Beispiel Berlin, konkret auch mit Blick auf die Auseinandersetzungen um die Zukunft der öffentlichen Dienste, diskutieren mit
Ralf Krämer (Gewerkschaftssekretär, WASG-Gründungsmitglied, Berlin) und Halina Wawzyniak (stellvertretende Parteivorsitzende der Linkspartei.PDS Berlin).
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit dem Hermann-Bode-Club Braunschweig durch.
Veranstaltungsort: Neues Gewerkschaftshaus, Braunschweig, Wilhelmstraße 5

 Do
 26.01.2006
 19.00 Uhr

Die EU-Handelspolitik –
ein Gegenspieler der europäischen Entwicklungspolitik?

Referent: Bernd Schneider
Alle drei Jahre findet die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) statt, um neue Weichenstellungen für die Liberalisierung und Rahmenordnung des Welthandels festzulegen. Ende Dezember in Hongkong sollten dabei die Bedürfnisse der Entwicklungsländer im Vordergrund stehen. Der erzielte Kompromiss erfährt nun harsche Kritik von NGOs, besonders auch an EU-Kommissar Mandelson. Zu Recht? Der Referent wird dieser Frage nachgehen und die EU-Welthandelspolitik aus entwicklungspolitischer Perspektive analysieren.
Die Veranstaltung führen wir in Kooperation mit attac Hannover durch.
Bernd Schneider ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Linksfraktion im Europäischen Parlament.
Veranstaltungsort:
Kulturzentrum Pavillon, Hannover, Lister Meile 4

 Do
 16.02.2006
 19.30 Uhr